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Michael Henz



Dipl. Wirtschaftsprüfer,
Zugelassener Revisionsexperte,
Hehlen Treuhand AG, Reinach BL,
Mitglied der Treuhand-Kammer,

henz@hehlen.ch

 

 

    

  Erhöhung der Schwellenwerte für die ordentliche Revision

Erleichterung der Revisionspflicht für KMU

 

 
 

Seit 2008 besteht für KMU die Möglichkeit der eingeschränkten und damit vereinfachten Revision. Voraussetzung dazu ist, dass gewisse Schwellenwerte eingehalten werden. Nun hat das Parlament im Sommer 2011 Änderungen im Revisionsrecht beschlossen und diese Werte deutlich erhöht. Dies hat zur Folge, dass etwa drei Viertel der heute ordentlich geprüften Unternehmungen zukünftig nur noch eingeschränkt geprüft werden müssen. 

Mit der Einführung der eingeschränkten Revision wurden die Anforderungen an die Revision von KMU wesentlich verringert. Dies betrifft  sowohl Aktiengesellschaften wie auch GmbHs und Genossenschaften. Mit den deutlich erhöhten Schwellenwerten können davon nun weitaus mehr Firmen profitieren. Die untenstehende Tabelle gibt die neuen Werte wieder.  

Vergleich der Schwellenwerte                                                              

                                    Revisionsrecht ab 2008                    Revisionsrecht ab 2012

Bilanzsumme:                                  CHF 10 Mio.                                       CHF 20 Mio.

Umsatzerlös:                                    CHF 20 Mio.                                      CHF 40 Mio.

Vollzeitstellen:                                 50                                                       250

Eine ordentliche Revision ist durchzuführen, wenn zwei der drei Schwellenwerte in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren überschritten werden. Für die Festlegung der Revisionsart sind neu das Berichts- und das Vorjahr beizuziehen; also das Geschäftsjahr 2012 und das Vorjahr 2011 mit der Folge der sofortigen Anwendung für das Geschäftsjahr 2012! Dies steht im Gegensatz zur bisherigen Regel, nach welcher die ermittelte Revisionsart erst im nachfolgenden dritten Jahr anzuwenden war. Unabhängig davon müssen Publikumsgesellschaften und Gesellschaften, die zur Erstellung einer Konzernrechnung verpflichtet sind, die Bücher ordentlich prüfen lassen. 

Wirkung auf Stiftungen und Vereine

Die Erhöhung der Schwellenwerte gemäss Obligationenrecht wirkt sich auch auf das Stiftungsrecht aus, da im Zivilgesetzbuch diesbezüglich auf das Aktienrecht verwiesen wird. Vorbehalten bleiben zusätzliche Anforderungen der Stiftungsaufsichtsbehörden.  

Die Schwellenwerte bei Vereinen bleiben hingegen unverändert. Somit müssen Vereine wie bisher ordentlich geprüft werden, wenn zwei der drei nachstehenden Grössen in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren überschritten werden: Bilanzsumme von 10 Mio. Franken, Umsatzerlös von 20 Mio. Franken und 50 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt. 

Was bedeutet das in der Praxis?

Unterliegt eine Unternehmung neu nur noch der eingeschränkten Revision, sind die Prüfungshandlungen deutlich weniger umfangreich und nicht so tiefgehend. Beispielsweise findet keine Prüfung des internen Kontrollsystems statt oder es werden grundsätzlich keine Saldobestätigungen von Kunden und Lieferanten eingefordert; auch der umfassende Bericht fällt weg. Dies hat zur Folge, dass auch das Prüfungstestat zuhanden der Generalversammlung eine geringere Zusicherung aufweist und keine Abnahmeempfehlung zur Jahresrechnung enthält. Der offenkundige Vorteil für die KMU: Aufwand und Kosten für die Revision halten sich in bescheidenerem Rahmen. 

Aktionäre, Verwaltungsräte und Mitglieder der Unternehmensleitung sollten sich aber im Klaren sein, welche Konsequenzen die eingeschränkte Revision mit sich bringt. 

Opting up und Opting out

Für Firmen, welche die eingeschränkte Revision anwenden dürfen, besteht weiterhin die Möglichkeit des Opting up – die freiwillige ordentliche Revision - oder unter Umständen auch des Opting out – dem gänzlichen Verzicht auf eine Revision.  

Zuerst zum Opting up: Ist eine Unternehmung lediglich zur eingeschränkten Revision verpflichtet, können Anteilseigner, die zusammen mindestens 10% des Gesellschaftskapitals vertreten, eine ordentliche Revision verlangen. Eine freiwillige Unterstellung ist auch durch Beschluss der Generalversammlung möglich. Trotz Mehraufwand und höherer Kosten sprechen einige Argumente dafür, wie beispielsweise die höhere Glaubwürdigkeit gegenüber Kreditgebern und Steuerbehörden oder bessere und geprüfte Basiszahlen bei Nachfolgeregelungen oder Verkauf. 

Nach Gesetz ist es auch möglich, gänzlich auf die Revision zu verzichten (Opting out). Um dies zu erreichen, müssen kumulativ drei Kriterien erfüllt sein: 

1)      Die Gesellschaft ist lediglich zur eingeschränkten Revision verpflichte

2)      Es bestehen maximal 10 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt

3)      Sämtliche Gesellschafter stimmen dem Verzicht der Revision zu.

Das „Opting out“ ist sehr beliebt. Über 90% der GmbH- und rund 65% der AG-Neugründungen seit 2008 verzichteten auf eine Revisionsstelle. Die Kehrseite der Medaille: Die Schutzwirkung der Revision fällt weg und die Sicherheit bezüglich der Qualität der Jahresrechnung sinkt. Ob eine Revisionsstelle gewählt ist oder nicht, kann jedermann im Handelsregister selbst nachprüfen unter www.zefix.ch.

Notwendiger Entscheid

Die eingeschränkte Revision wird mit der Erhöhung der Schwellenwerte zur am weitest verbreiteten Revisionsart. Verantwortliche der vielen Unternehmungen, welche neu nur noch eingeschränkt geprüft werden müssen, sollten sich rechtzeitig überlegen, ob sie freiwillig eine ordentliche Revision durchführen wollen (Opting-up) oder sich allenfalls bewusst sein, dass die Prüfungssicherheit reduziert wird und im Testat keine Abnahmeempfehlung der Revisionsstelle abgegeben wird.


Links

EJPD: Inkraftsetzung der erhöhten Schwellenwerte des Revisionsrechts 2012

KMU-Portal: Revision des Aktien- und Rechnungslegungsrechts