|
In der Schweiz haben Bund, Kantone und Gemeine ihre eigene Steuerhoheit.
Damit haben sie das Recht, unterschiedliche Tarife festzulegen. Mit
einer Initiative will die SP dieses Recht und den Steuerwettbewerb
einschränken. Das aber liegt nicht im Interesse der Bürger.
Mit der Einführung des Steuerharmonisierungsgesetzes vor rund 20 Jahren
wurde in die Steuerhoheit der Kantone eingegriffen. Es wurde jedoch
bewusst darauf verzichtet, die Harmonisierung auf die Steuertarife und
die Sozialabzüge auszuweiten. Die Sozialdemokratische Partei hat
kürzlich ihre Steuergerechtigkeits-Initiative eingereicht, welche
darüber hinausgeht und eine interkantonale Annäherung der Tarife bei
höheren Einkommen und Vermögen bezweckt. Die formelle Harmonisierung
soll so mit einer materiellen ergänzt werden.
Ungerechte Unterschiede?
Die Frage stellt sich: Ist es gerecht, dass eine Familie mit einem Kind,
einem steuerbaren Einkommen von 100'000 Franken und einem steuerbaren
Vermögen von 150'000 Franken je nach Kanton sehr unterschiedlich hohe
Steuern bezahlt?
|
Kanton |
Steuerbelastung in Franken |
|
Zug |
3402 |
|
Aargau |
5995 |
|
Basel-Stadt |
6359 |
|
Basel-Landschaft |
6861 |
|
Solothurn |
7245 |
Die grossen Unterschiede der Steuerbelastung unter den Kantonen
entstehen durch unser föderalistisches Steuersystem. Wer von uns möchte
nicht auch lieber die Steuerbürde im Kanton Zug anstatt diejenige der
Kantone Baselland oder Basel-Stadt tragen? Weshalb aber kann der Kanton
Zug seine Staatsleistungen so viel günstiger anbieten als die Kantone in
der Nordwestschweiz? Liegt es nur daran, dass beispielsweise der Kanton
Zug viele einkommensstarke Bewohner anzieht oder bedeutet es, dass der
Kanton Zug effizienter arbeitet? Welchen Einfluss hat der
Steuerwettbewerb auf diese Unterschiede?
Unbestritten ist, dass der freie Markt den Wettbewerb belebt und die
Preise beeinflusst. So gerieten zum Beispiel die Preise bei unseren
Grossverteilern unter Druck, als die deutschen Discounter in den
Schweizer Detailhandelsmarkt eindrangen. Dieser Mechanismus funktioniert
auch im Steuerwettbewerb unter den Kantonen. Mit niedrigen Steuern kann
ein Kanton Personen anziehen, die ein hohes Steueraufkommen mit sich
bringen. Die effektive Steuerbelastung ist nachgewiesenermassen ein
Entscheidungskriterium bei der Wahl des Wohnortes. Wenn sich alle
Kantone dem Steuerwettbewerb stellen, wird sich der Markt für
Staatsdienstleistungen selbst regulieren. Zudem müssen sich die Kantone
an der „Preisbildung“ der anderen Kantone orientieren, da sie sonst
Gefahr laufen, dass gute Steuerzahler den Wohnsitz wechseln. Das macht
deutlich, dass wir den Steuerwettbewerb zwischen den Kantonen und den
Gemeinden brauchen, da dieser dazu beiträgt, die Kosten für die
staatlichen Dienstleistungen niedrig zu halten.
Was wollen wir uns leisten?
Die Kosten sind jedoch nur die eine Seite der Medaille. Was bei der
Diskussion um die Steuerbelastung oft fehlt, ist die Auseinandersetzung
um die Leistungspalette und die Qualität der Dienstleistungen der
öffentlichen Hand. Neben dem Kampf um niedrige Steuern müssen Verwaltung
und Politik auch bei der Definition der zu erbringenden Leistungen
ansetzen. Die Tendenz geht ganz klar in die Richtung, dass die Politik
versucht, immer mehr Aufgaben dem Staat zu übertragen, was sich in den
steigenden Kosten unserer Verwaltungen widerspiegelt. Mit einem straffen
Dienstleistungsangebot und einer effizienten Verwaltung könnten die
Kosten des Staatsbetriebes gesenkt werden.
Genau an dieser Stelle muss die Politik eingreifen. Wir müssen uns im
Klaren darüber sein, welche Leistungen die öffentliche Hand anbieten
soll und zu welchem Preis wir diese Leistungen beziehen wollen. Die
Kantone stehen nämlich nicht nur bei der Festlegung der Steuerprozente,
sondern vor allem auch bezüglich den gebotenen Leistungen im Wettbewerb.
Diejenigen Kantone werden zukünftig attraktiv sein, welchen es gelingt,
einen optimalen Leistungs- und Kostenmix zu finden. Ein optimaler Mix
wird sich auch auf die Steuerbelastung positiv auswirken. Die Frage, was
uns unser Staat kosten darf, muss gestellt werden. Eine ständige Zunahme
der Steuer- und Soziallastquote - im Jahr 2008 betrug die Staatsquote
bereits 53 % - verringert die Kaufkraft jedes Einzelnen und schwächt
unsere Wirtschaft.
Unsere Verwaltungen müssen sich in moderne Dienstleistungsbetriebe
wandeln, welche bestrebt sind, ihre Leistungen effizient, kostengünstig
und in der von den Bürgern geforderten Qualität anzubieten. Der zurzeit
existierende Steuerwettbewerb ist ein Instrument um dieses Ziel zu
erreichen. Deshalb benötigen wir auch den aktiven Steuerwettbewerb
zwischen den Kantonen und den Gemeinden.
|